FOKUSTHEMA
SmartHome für Bestandsimmobilien – einfach nachrüsten!
Technologien – Markt – Lösungen und Nutzeffekte
Gastgeber und Organisation:
Dr. Arasch Honarbacht, Geschäftsführer ubisys technoligies Klaus Scherer; Leiter Netzwerk West (SmartHomeNRW) in der SmartHome Initiative Deutschland e.V.;
Insgesamt 28 angemeldete Teilnehmer
Die Experten in der Vortragsrunde:
Dr. Arasch Honarbacht, ubisys technologies GmbH, Düsseldorf; Geschäftsführer; Mike Lange, SmartHome Initiative Deutschland e.V., Berlin; Vorstandsmitglied und Jäger direk Direktor Smart Building Solutions Dr. Gerd vom Bögel, Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme, Duisburg; Leiter Geschäftsbereich Industrie; Almir Hodzic, ELTAKO, Gebietsrepräsentant Rheinland Nord
Begrüßung und erste Sicht auf das Fokusthema Dr. Arasch Honarbacht und Klaus Scherer
Klaus Scherer beschrieb kurz die Aufgaben der SmartHome-Initiative Deutschland als SmartHome-Bundeverband zur Vernetzung der gesamten SmartHomeWertschöpfungskette. Im Regionalbereich löst das Netzwerk West („SmartHomeNRW“) diese Aufgabe hauptsächlich durch Expertenrunden zu bestimmten Fokusthemen. Weitere Infos zum Netzwerk West: SmartHome Netzwerk West – Smarthome Deutschland (smarthome-deutschland.de).
Erste Sicht auf das Fokusthema Aktuell gibt es in Deutschland rund 19,3 Millionen Wohngebäude mit etwa 41,4 Millionen Wohnungen. Hinzu kommen noch die sich in Nichtwohngebäuden befindlichen Wohnungen, wodurch sich in Deutschland ein Wohnungsbestand von insgesamt rund 42,8 Millionen Einheiten ergibt. Im Durchschnitt ist der Bestand von Wohnimmobilien in Deutschland 36 Jahre alt. Bedenkt man die aktuell immer weiter sinkende Neubauquote (kleiner 1% p.a.), dann ist bei einem überwältigenden Anteil des Wohnungsbestands nur eine Nachrüstung von SmartHome-Systemen möglich inkl. aller damit verbundenen Modernisierungs- und Nutzeffekten. Zielsetzung der 35. SmartHomeNRW-Expertenrunde war, einen Überblick über Techniken,Produkte, Systemlösungen und Anwendungen der SmartHome-Nachrüstung mit Funkvernetzung in Räumen und Gebäuden kompakt zu vermitteln und zu diskutieren. Darüber hinaus sollten aber auch Aspekte der Anwendung, der Vermarktung und der Geschäftsmodelle angesprochen werden.
Vortragsreihe der Experten
Dr. Gerd vom Bögel vom Fraunhofer-IMS/inHaus-Zentrum
Dr. vom Bögel konzentrierte sich bei seinem Vortrag „Grundlagen und Praxis der Funkvernetzung in Räumen und Gebäuden“ auf die Funkausbreitung und wichtige Parameter dazu, auf das Thema Interferenzen, auf Standards und Funkprotokolle und auf die Energiebilanz von funkvernetzten Sensoren. Ein besonders aktuelles Konzept waren Mesh-Netzwerke, in denen Daten von Knoten zu Knoten weitergereicht werden, bis schließlich der Zielknoten erreicht ist. Damit lassen sich besonders in Gebäuden mit funktechnisch problematischer Struktur relativ sichere Funkverbindungen aufbauen. Es folgte eine Übersicht und Einschätzung bzgl. häufig verwendeter Funk-Netzwerk-Standards wie ZigBee, Bluetooth, Z-Wave, auch proprietärer wie HomeMatic von EQ-3. Das Thema Antennen mit den div. Typen und der Zusammenhang mit der Signalstärke bei Senden und Empfangen war ein weiteres wichtiges Thema des Vortrags. Praxisbeispiele von Funkmessungen im inHaus2-Gebäude rundeten den interessanten Vortrag ab.
Dr. Arasch Honarbacht von ubisys
Dr. Honarbacht referierte unter der Überschrift „ZigBee Direct & Matter – Dreamteam für ein breites Lösungsspektrum im Immobilienbestand“ über typische Anwendungsfälle dieses Konzepts. Es folgte eine Vorstellung von ubisys Produkten mit ZigBee Direct & Matter ergänzt durch das ZigBee-Ethernet Gateway G1. Auch informierte er über div. Bedienoberflächen und Dasboards zur Steuerung von SmartHome/Building-Systemen. Bemerkenswert war die Information, dass im Stack-Lizensierungs-Geschäft der ZigBee-Stack von Ubisys als Golden Unit dient. Es schlossen sich detaillierte Informationen zu ZigBee und Matter inkl. einem Leistungsvergleich ZigBee vs. Matter. Anwendungsbeispiele rundeten den umfassend informierenden Vortrag ab. Weitere Details im Folienset.
Almir Hodzic von ELTAKO
In seinem Vortrag „Kompromisslose Einfachheit und Flexibilität“ machte Almir Hodzic deutlich, dass bei der Nachrüstung von SmartHome/Building nicht auf die Nutzeffekte Komfort und Sicherheit verzichtet werden muss. Nach einer kurzen Information über ELTAKO folgten Erläuterungen zum Energy Harvesting (Gewinnung von Energie aus der Umgebung) besonders mit der enocean-Technologie.Beispielsweise gewinnen SmartHome-Taster über Piezo-Elemente aus dem Fingerdruck auf den Taster bei der Bedienung genug Energie für die Funk-Datenübertragung. Durch Installation der Funk-Komponenten direkt in die vorhandenen Unterputz-Dosen und das lokale Anmelden im Datennetz über Stellelemente an der Komponente wird die Nachrüstung stark vereinfacht. In der Baureihe 62-IP läuft die Datenvernetzung über IP/WiFi und es gibt Apple-Home oder Matter-Zertifizierungen. Die Konfiguration des Netzwerks erfolgt mittels der ELTAKOConnect-App. Informationen über eine Reihe von Anwendungsprojekten zeigten die Praxistauglichkeit der vorgestellten Technologien und Produkte.
Mike Lange von Jäger direkt und SmartHome-Deutschland
Mike Lange orientierte bei seinem Vortrag auf den Markt und die Marktchancen von SmartHome und SmartBuilding mit besonderem Blick auf die Nachrüstung. Den Auftakt bildeten Anmerkungen und Einschätzungen zu den Marktsegmenten Smart Apartment, Smart Home, Smart Building, Smart Office, Smart Store, Smart District, Smart City und Smart Elderly (AAL). Der Smart Home Monitor 2021 auf Basis einer Umfrage unter ca. 1500 Deutschen zwischen 18 und 69 Jahren schätzte ein Marktpotenzial von ca. 8 Mrd. €. Die hauptsächlichen Anschaffungsgründe waren Komfort, Sicherheit, Einsparungen von Heiz- und Stromkosten, Spaß/Unterhaltung und Technikbegeisterung. Hemmend auf die Kaufbereitschaft wirkten z.B. die Faktoren zu hohe Kosten, Sorge um die Privatsphäre und die Angst vor Hackerangriffen. Es folgten Detailanalysen und -zahlen dazu. Folgende Zahlen deuten auf das hohe Marktpotenzial im Bereich der Modernisierung mit Nachrüstungsoptionen für Smarte Systeme hin (Europa): 56% der Gebäude sind vor 1970 gebaut worden, davon die Hälfte vor 1945; 35% von 1970 bis 1999. Eine Folie mit den div. Netzwerkstandards für SmartHome/Building deutete auf die Unübersichtlichkeit der Technologien für den Laien hin. Dazu kommen dann noch hunderte von Anwendungsfällen mit ihren Nutzeffekten, wobei nicht immer klar ist, welche Produkte dafür zum Einsatz kommen sollten. Als einer der hauptsächlichen Markttreiber wurde die Renovierungsnotwendigkeiten alter Gebäude zur Erreichung der Energieeinsparungs- und Klimaziele angegeben. Auf der Technologieseite ist es nach Meinung des Referenten die IoT-Technologie (Internet of Things), d.h. Komponenten und Geräte sind mit dem Internet verbunden, auch und oft über CloudServices aller Art, z.B. Notfallservices. Zum Abschluss seines Beitrags postulierte Mike Lange fünf Thesen für ein erfolgreiches Geschäft mit SmartHome/Building: # Single Use Cases mit klarem Kundennutzen funktionieren & bieten Up-Sell-Möglichkeiten! # Jeder Vertriebschannel hat seine Besonderheiten & seine Berechtigung # Dem Fachhandel/Handwerk ist Marge und Exklusivität am Wichtigsten # Hersteller benötigen den Handel immer weniger und setzen vermehrt auf Direktgeschäft! # Langfristig erfolgreich werden Bundlings & Kooperationen sein!
Podiumsrunde der Referent/en/in mit den Teilnehmer/n/innen
In der Diskussionsrunde wurde mit den Teilnehmern eine Reihe von offen gebliebenen Fragen von den Referenten geklärt. Es zeigte sich dabei, dass oft der Fokus auf auf ganz persönliche Prioritäten gelegt wird, was an einigen Stellen zu längeren Diskussionen führte. Verständnisfragen zu den Vorträgen wurden weniger gestellt, was für die Klarheit der Vorträge spricht.
Abendimbiss mit Netzwerken
Anschließend gab es einen Ausklang mit Imbiss, Meinungsaustausch und Netzwerken. Damit endete eine wieder interessante Expertenrunde mit Informationen, Diskussionen und Kennenlernen; ein gelungener Beitrag zur weiteren Festigung des SmartHomeNRW-Netzwerks in der SmartHome-Initiative Deutschland.