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RÜCKBLICK: 32. Expertenrunde SmartHomeNRW (live & online)

Dienstag, 18. April 2023, 16:00 – 20:15 Uhr

FOKUSTHEMA

SmartHome Made in Germany !?
Eine Neubewertung unter veränderten Rahmenbedingungen

Mehr Qualität, mehr Datenschutz und -sicherheit, mehr Anwendungsnähe und mehr Service: gibt es diese Wettbewerbsmerkmale von SmartHome-Komponenten und -Systemen „Made in Germany“ und wenn ja, wie wirksam sind sie im internationalen Wettbewerb und wie sind sie unter den veränderten Rahmenbedingungen auf dem Markt zu sehen? Bei einer beeindruckenden Werksführung durch die Geräteproduktion von GIGASET, drei interessanten Vorträgen und einer abschließenden Podiumsrunde (alles im hybriden live+online-Format) beschäftigte sich die 32. SmartHomeNRW-Expertenrunde mit diesen Fragen. Mit ca. 30 Teilnehmern, davon 15 live vor Ort bei GIGASET war die Beteiligung wieder durchaus rege. Die Teilnehmer erhielten nach der Veranstaltung wie üblich die Foliensets der Vorträge. Hier nun ein kurzer Rückblick auf die Veranstaltung:

Begrüßung beim Gastgeber GIGASET durch Frau Anne Dickau, SVP Product House
Einige Fakten zu GIGASET: Marktführer DECT Europa, Top 3 weltweit; Gründung 1874 (SIEMENS); Standorte: Bocholt (Hauptsitz), Wroclaw/Breslau (Software), München (Marketing, Vertrieb), Mitarbeiter: 900 weltweit, Umsatz 2021: 217 Mio. €; Produkte: Phones, SmartPhones, SmartHome, Professional; Innovationen: 1847 Zeigertelegraf (Werner von Siemens), 1993 erstes DECT Telefon, 2008 ECO DECT, 2012 Einstieg SmartHome, 2016 erstes SmartPhone, 2018 Einstieg SmartCare. Vorteile eigener Bereitstellungskette: Qualität, Flexibilität, Fertigungstiefe: integriertes Management von Forschung, Entwicklung, Produktion, Vertrieb, Services. Vertriebspartner in DACH-Ländern: expert, MediMax, swisscom, euronics, Conrad, MediaMarkt/Saturn, Otto, amazon, Migros, voelkner, EP.

Rundgang durch die größte DECT-Gerätefertigung Europas Beeindruckender geführter Rundgang durch die komplette Fertigung von DECT-Telefonen von nachhaltiger Gehäusefertigung bis zur weitgehend automatisierten Elektronikfertigung inkl. Endprüfung.

Infos zu SmartHome-Deutschland inkl. Netzwerk West und Sicht von „SmartHomeNRW“ auf das Fokusthema als Einstieg in die Expertenrunde
Klaus Scherer Leiter Netzwerk West („SmartHomeNRW“) der SmartHome Initiative Deutschland e.V.; ksc@smarthome-deutschland.de; www.smarthome-deutschland.de

Klaus Scherer beschrieb kurz die zentrale Aufgabe der SmartHome-Initiative Deutschland als SmartHome-Bundesverband mit Vernetzung der gesamten SmartHome-Wertschöpfungskette von Forschung bis zur Anwendung. Die nächste große Veranstaltung wird die Verleihung des „SmartHome Deutschland Awards 2023“ am 24. Mai 2023 im Roten Rathaus Berlin sein. Im Regionalbereich unterstützt das Netzwerk West („SmartHomeNRW“) diese Aufgabe hauptsächlich durch Expertenrunden zu bestimmten Fokusthemen. Weitere Infos zum Netzwerk West inkl. der Rückblicke auf die vergangenen Expertenrunden unter: SmartHome Netzwerk West – Smarthome Deutschland (smarthome-deutschland.de).

Einstieg in das Fokusthema
Klaus Scherer verwies zunächst darauf, dass die NRW-Firmen Merten, Berker, Gira und Jung 1987 wesentlich den Gebäudevernetzungsstandard EIB aus der Taufe gehoben haben. Durch die Integration von BATIBUS und EHS (European Home Systems) und durch Umfirmierung in KNX (KONNEX) inkl. Überführung in die weltweit gültige ISO/IEC-14543-3 Norm war die Grundlage für den Welterfolg gelegt. Fazit: „SmartHome und SmartBuilding Made in Germany und Europe“ hat ein solides Fundament, auch durch die Vielzahl von Herstellern, Planern, Installateuren und Anwendern, gerade in NRW. Klaus Scherer konzentrierte sich dann noch auf die Frage, welche Merkmale und welche Strategien für „SmartHome Made in Germany/Europe“ notwendig und sinnvoll sind. Einige Vorschläge: Qualität und Datenschutz, Flexibilität mit Anpassbarkeit an die unterschiedlichsten weltweiten Anforderungen, Integration von internationalen IoT-Produkten und – Services wie Amazon-Alexa oder Google-Assistant, enge Zusammenarbeit von deutschen und europäischen Herstellern und Serviceanbietern, besonders vorwettbewerblich, Nachhaltigkeit mit Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit, Nutzerfreundlichkeit für hohe Nutzerakzeptanz und Kundenservice auf hohem Niveau.

Vorträge der Experten

Deep Dive Gigaset Smart Care Portfolio
Das Gigaset-Konzept, Erfahrungen und Bewertungen‘ Vortrag von Edgar Schollmeyer; Gigaset VP Smart Care Am Beispiel des Gigaset SmartCare-Portfolios erläuterte Edgar Schollmeyer die Vorteile einer integrierten Fertigungskette von Forschung über Produktion bis Vertrieb und after-sales-Service. Es folgten allg. Informationen zu SmartCare (AAL = Ambient Assisted Living). Wichtiger Bezug zum Fokusthema: im SmartCare-Bereich wünschen sich nach BITKOM research 2022 77% der deutschen Nutzer Produkte und Lösungen von deutschen Herstellern. Dabei spielen die Aspekte Vertrauen in Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit/Datenschutz die Hauptrolle. Herr Schollmeyer verwies hier auf div. einschlägige Auszeichnungen für Gigaset. Bereich Datensicherheit/-schutz: DECT-ULE hat einen hohen Schutz vor Hackerangriffen; Die Gigaset-Basisstation ist über VPN-Tunnel mit der Gigaset-Cloud verbunden, deren streng gesicherte Server stehen in Frankfurt a. M. und für die SmartCare-Dienste werden nur die für den Dienst notwendigen Daten genutzt. Weiterhin gelten umfassend umweltrichtlinien bzgl. CO2-.Reduktion, Verpackung, Reparatur, grünem Strom, Logistik und Recycling.

Es folgte eine umfassende Darstellung der Produktmerkmale und der Funktionen/Services der Gigaset-SmartCare-Lösungen. Für den SmartCare-Service-Anbieter ergeben sich Vorteile durch das Alarm- und Systemmanagement über das SmartCare-Cockpit, durch die direkte Sichtbarkeit der System- und Komponenten-Verfügbarkeit und durch die einfache Installation. Die Endanwender profitieren z.B. vom direkten Kontakt zum Betreiber und von der individuellen Anpassbarkeit des Systems. Anbieter und Nutzer haben die Vorteile der Markenbekanntheit, der hohen Produkt- und Servicequalität und der Datensicherheit „Made in Germany“.

SmartHome und HomeEnergy Management – Made in Germany & France Synergien und mehr Stabilität durch europäische Kooperationen
Vortrag von Ralf Kern, Geschäftsführer DeltaDore / Rademacher Vision/Mission: SmartHome als Beitrag zum Wohnkomfort und zur Nachhaltigkeit. Durch Integration von Rademacher in DeltaDore ist ein führender Anbieter von SmartHome in Europa entstanden. DeltaDore hat Produktionstätten in Frankreich und Deutschland (Rademacher), 200 € Umsatz und 800 Beschäftigte in Europa. Produkte: Raumregler, Alarmsysteme, Automatisierungskomponenten, Antriebe, Verschattungssteuerungen, Überwachungskameras. Energiesparpotenziale SmartHome: 17% durch Heizungssteuerung/-automatisierung, durch Verschatter: 34% im Winter, 5% im Sommer. Eine durchgängige Integration durch IoT-Protokolle sichert die Einfachheit der Planung und Installation und der Betriebskontrolle. Zentrale Aussage: SmartHome-Komfort und Energieeffizienz zugeschnitten auf die europäischen Anforderungen aller Art. Z.B. EU-Perspektiven/-Ziele im Bereich Klimaschutz durch Umstellung auf Elektroenergie: 2035 keine Verbrennerautos mehr, 2045 50% Heizenergie durch Wärmepumpen, 2050 70% der Elektroenergie durch PV und Windräder. Ungenutzte Potenziale: nur wenige Systeme heben die Synergievorteile durch Vernetzung, 92% der Nutzen wollen ihren Stromverbrauch aus finanziellen Gründen senken, nur 79% aus ökologischen Gründen. 91% der Nutzer schalten das Licht aus, wenn sie nicht im Raum sind, aber nur 51% senken die Raumtemperatur, wenn der Raum nicht genutzt wird. Raf Kern stellte dann noch die Vorteile des neuen internationalen MATTER-Vernetzungsstandards heraus bzgl. Einfachheit, Interoperabilität, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Viele europäische Firmen arbeiten z.Z. an der Umstellung ihrer Produkte auf MATTER. Zum Abschluss wies Ralf Kern darauf hin, dass bis heute ca. 6 Millionen Haushalte in Europa mit DeltaDore/Rademacher-Produkten ausgestattet wurden.

Digitale Souveränität Made in Germany Situationsanalyse, Strategische Überlegungen, Handlungsempfehlungen Onlinevortrag von Frank Karlitschek, Vorstand Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) und Geschäftsführer Nextcloud GmbH Zu Beginn zitierte Frank Karlitschek Mark Andreessen, Gründer von NETSCAPE: „Software wird in Zukunft die Welt durchdringen und jede Firma wird eine Software-Firma sein“. Allerdings ist die EU gegenüber den USA und China diesbezüglich stark unterentwickelt. Beispiele USA: Google, Apple, facebook, amazon, Microsoft. Beim neuesten Trend KI (Künstliche Intelligenz) ist die Lage noch dramatischer. Die Digitale Souveränität definiert Frank Karlitschek als den Grad der Kontrolle, den eine Organisation oder der Staat über die von ihnen erzeugten Daten auf lokalen oder online-Platformen hat. Ein Kontrollverlust über die eigenen Daten stellt ein strategisches Risiko für unsere Gesellschaft, für unsere Individuen, für unsere Wirtschaft und für unsere staatlichen Institutionen dar. Z. B. kommerzialisieren als Folge ausländische Firmen unsere Daten. Den Ergebnissen dieser Datenverwertung können wir nicht vertrauen. Innovationen im Bereich maschinellen 4 Lernens, big data analysis werden dadurch be- oder verhindert, da unsere Daten in fremden Datentresoren für uns nicht mehr erreichbar sind. Im Jahr 2000 wurden in den USA und der EU „International Safe Harbor Privacy Principles“ in Kraft gesetzt, um private Organisationen die private Daten speichern vor versehentlichem Verlust oder versehentlicher Offenlegung der Daten zu schützen. Wurde 2015 vom Gerichtshof der EU für ungültig erklärt und 2016 durch GDPR (General Data Protection Regulation) in der EU ersetzt. 2018 folgte in den USA der Cloud Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act), den 2020 die EU Justiz für ungültig deklarierte. Momentan ist die Situation unklar. Im März 2022 kündigten die USA und die EU ein neues „Trans-Atlantic Data Privay Framework“ an. Empfehlungen von Frank Karlitschek für Deutschland und die EU: Investieren in die lokale IT-Industrie, z.B. bei Ausbildung, Open Source / Open Standards, Dezentralisierung, onpremise Software-Lizensierung (für Software auf eigenen Servern), eigene Regulierungen, faire Geschäftsbedingungen im Markt (equal playing-field).

Live und online Podium: Diskussionsrunde der Referent/en/in mit den Teilnehmer/n/innen
Moderation: Klaus Scherer

In einer Austauschrunde der Referent/en/innen mit den Teilnehmern wurden länger und intensiv hauptsächlich die Auswirkungen der Integration von Cloud-Services diskutiert wie die Sprachassistenten Alexa oder Siri, die über das Web auf weltweit an unbekannten Standorten lokalisierten Servern arbeiten, dort persönliche Informationen und die Sprachstreams der Nutzer erfassen, verarbeiten und speichern, zumeist natürlich nicht nach den Regeln der DSGVO der EU. Man war sich einig, dass dadurch keine digitale Souveränität von lokalen und/oder mit deutschen oder europäischen Servern/Diensten arbeitenden SmartHome-Systemen zu gewährleisten ist. Das Problem lässt sich z-B. mit einer Beschränkung der Service- /System-Integration auf lokale Server oder zertifizierten deutschen oder europäischen Diensten/Servern lösen.

Abendimbiss und Netzwerken
Anschließend gab es wieder den beliebten Ausklang mit Abendimbiss und lebhaften und längeren Meinungsaustausch mit Netzwerken inkl. Knüpfen neuer Kontakte.