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RÜCKBLICK 30. Expertenrunde SmartHomeNRW

Mittwoch, 12. Oktober 2022, 17:00 – 19:30 Uhr

FOKUSTHEMA
Smart Hotel – Neue Lösungen und neue Chancen durch Digitalisierung und SmartHome !?

„SmartHotels“, d.h. die umfassende Digitalisierung des Hotels- und Gaststättenbereichs, sind nach einhelliger Meinung der verschiedenen Marktakteure notwendig zur Lösung aktueller und kommender Herausforderungen. Aber sie sind noch keine Alltagspraxis, es gibt also noch erheblichen Informations- und Diskussionsbedarf für und mit allen Beteiligten. Damit war ein interessantes Fokusthema der mittlerweile 30. SmartHomeNRW-Expertenrunde gefunden.
Mit 22 angemeldeten Teilnehmern aus allen Bereichen rund um das Thema blieb die Teilnehmerzahl wohl wg. der Ferienzeit in NRW diesmal unterdurchschnittlich, was der Qualität der Runde, besonders was die Referent/en/in betrifft, aber nicht geschadet hat. Die Teilnehmer erhielten nach der Veranstaltung wie üblich die Foliensets der Vorträge.

Hier nun ein Rückblick auf die Vorträge und Diskussionen. Infos zu SmartHome-Deutschland inkl. NRW und Sicht von SmartHomeNRW auf das Fokusthema Vortrag von Klaus Scherer, Leiter Netzwerk West („SmartHomeNRW“) der SmartHome Initiative Deutschland e.V.; ksc@smarthome-deutschland.de; www.smarthome-deutschland.de 

Klaus Scherer beschrieb kurz die Aufgaben der SmartHome-Initiative Deutschland als SmartHome-Bundeverband zur Vernetzung der gesamten SmartHome-Wertschöpfungskette. Im Regionalbereich löst das Netzwerk West („SmartHomeNRW“) diese Aufgabe hauptsächlich durch Expertenrunden zu bestimmten Fokusthemen. Weitere Infos zum Netzwerk West inkl. der Rückblicke auf die vergangenen Expertenrunden: SmartHome Netzwerk West – Smarthome Deutschland (smarthome-deutschland.de).
HINWEIS: für weitere Expertenrunden werden laufend Fokusthemen und dazu passende Referent/en/innen gesucht. Interessenten melden sich bitte bei Klaus Scherer unter ksc@smarthome-deutschland.de.

Einstieg in das Fokusthema „SmartHotel“

Zum Einstieg in das Fokusthema und als Übersicht über die folgende Vortragsreihe stellte Klaus Scherer den allgemeinen Vorteil der Digitalisierung auch im Hotelbereich heraus: optimierte Funktionen und Prozesse, dadurch auch Kosten- und Zeitersparnis und die Möglichkeit das Personal bei Unterbesetzung zu unterstützen und zu entlasten. Besondere Bedeutung haben aktuell die digitalen Assistenz- und Automatikfunktionen für Energieeffizienz und Sicherheit und zwar für die Betreiber inkl. seinem Team und für die Gäste. Bei diesen Anwendungen sind besonders die Möglichkeiten von SmartHome und SmartBuilding gefragt, auch mit Integration in die anderen IT-Lösungen im smarten Hotel.

Vorträge der Experten zum Fokusthema

Das Smarte Resiliente Hotel – Lösungen in den vier Bereichen Smart Building, Smart Service, Digital Business und Smart Work Ein Überblick über den aktuellen Stand und die Perspektive Vortrag von Prof. Dr. Vanessa Borkmann, vanessa.borkmann@iao.fraunhofer.de; Fraun-hofer IAO Stuttgart; https://www.iao.fraunhofer.de 

Die Referentin sieht vier strategischen Handlungsfelder auf dem Weg zum smarten Hotel: SmartServices, NewWork, DigitalBusiness, SmartBuilding. SmartServices Der vermeintlich „unpersönliche“ aber insbesondere „kontaktlose“ Service durch Digitalisie-rung und Automatisierung zeigt sich in Krisen als positiver Wettbewerbsfaktor. Einige Bei-spiele: online Hotel-Auswahl und -Buchung via App, Webseite-Gästekommunikation und Services/ Assistenzfunktionen via Chatbot, Digitale Concierges, Check-In/-Out via Smart-phone, im Hotel Location-Tracking und Echtzeit-Kommunikation via Hotel-App und Displays; E-Commerce: Shopfunktion als zusätzliche Einnahmequelle bzw. wichtiger Umsatzfaktor.

NewWork Die aktuellen Krisen erfordern eine rasche Veränderung von unflexibler, starrer Arbeit hin zu flexiblen Arbeitsformen mit Konzepten aus dem Bereich NewWork. Einige Beispiele: Arbeit im Home Office wird grundsätzlich für jeden Mitarbeiter eines Betriebes zumindest für ein-zelne Tätigkeiten möglich. Flexible Arbeitszeiten und Vertrauensarbeitszeit (wo möglich) – Tele-Arbeit und digitale Personaleinsatzplanung berücksichtigt auch persönliche Anforderun-gen von Einzelpersonen z.B. Kinder zuhause. Informationen online in unterschiedlichen Sprachen verfügbar, dadurch bessere Verständlichkeit und Akzeptanz in der internen Kom-munikation mit Mitarbeitern aus div. Sprachkulturen.

Digital Business
Die Vernetzung unterschiedlicher IT-Systeme zu einem Gesamtsystem ermöglicht die be-darfsgerechte (Fern-)Steuerung und (Fern-)Überwachung digitalisierter Prozesse sowie die Automatisierung von Geschäftsvorgängen. Eine schnelle Anpassung von Prozessen sowie die Reaktion auf veränderte Bedarfe mit datenbasierten Entscheidungshilfen durch die Digi-talisierung ist in Krisen ein positiver Wettbewerbsfaktor. Einkauf und Abrechnungen erfolgen digital und (teil-)automatisiert über Software-Systeme, die an Warenbestands- und Waren-eingangserfassung gekoppelt sind.

SmartBuilding
Betrieb, Management, Regelung und Steuerung von Gebäuden werden durch die Digitalisie-rung daten- und regelbasiert sowie bedarfsorientiert zu einem ökonomischen und ökologi-schen Optimum geführt. Einige Beispiele: digitales Gebäude- und Prozessmanagement auf Basis von Datensammlung und -auswertung, Nutzungs- und bedarfsgerechte Steuerung der Raumparameter durch Smart Home Technologie, intuitive Interaktion im Innenraum und mit Geräten durch Sensorik und KI z.B. durch Sprache (Voice-Bots), Energieeffizienz und Kos-tenreduktion durch smarte Regelung und Kontrolle des Energiesystems, Facility Manage-ment durch Sensorik und Software ferngesteuert und automatisiert möglich, intelligente Raumsteuerung (Licht, Klima, Lüftung, Wasser) durch Sensorik und IoT.

Digitalisierung des Hotelaufenthalts zum einmaligen Gästeerlebnis Vortrag von Moritz von Petersdorff-Campen, Mitgründer und Geschäftsführer, moritz.petersdorff-campen@suitepad.de; SuitePad GmbH; https://www.suitepad.de/de 
These des Referenten: wir leben aktuell in einer „digital first Welt“; wir kommen aus einer „analog only Welt“ und sind über eine Stufe „digital as an option“ gegangen. Der Anstieg digi-taler Buchungen verlief in etwa parallel mit dem Anstieg digitaler Essensbestellungen im Pri-vatbereich. Große Herausforderung: aktuell gibt es im Hotel- und Gastgewerbe eine signifi-kante Personalknappheit wie in so vielen Wirtschaftsbereichen.
Gäste wollen ebenso wie die Hotelbetreiber „digital first“. Hotels die jetzt nicht handeln, ver-lieren Gäste und haben höhere Kosten und sind nicht mehr rentabel. Digital first während des Hotelaufenthalts führt zu höherer Gastzufriedenheit, Gäste geben mehr Geld aus, Hotels sind effizienter, sie haben die Kontrolle über die Gästeloyalität und das Beschäftigtenteam macht wertvolle neue Erfahrungen.

OTAs (online Travel Agencies, also online Reisebüros) versuchen, auch die Gastkommuni-kation während des Hotelaufenthalts zu übernehmen (BOOKING, EXPEDIA, TRIPADVI-SOR, HRS).
Die Kommunikation vor dem Hotelaufenthalt funktioniert mit BYODs (bring your own devices) oder Hotel-Apps. BYODs sind die machbare Lösung für die Digitalen Interaktionen außer-halb des Hotelzimmers vor oder während des Aufenthalts (arrival information, room upgrade, advance booking of spa). Sicherheit ist der wichtigste Faktor für BYOD / PWA (progressive web applications) Lösungen.
Zuhause können Gäste mittlerweile eine Vielzahl von SmartHome-Funktionen/-Komponen-ten nutzen. Digitale Hotelangebote fallen dahinter zurück; Smart-Hotel-TV reicht nicht mehr. Heutige Gäste wollen mehr; z.B. YouTube auf Hotel-TV gesteuert über das eigene Smart-Phone (integrated remote control); SuitePad (Hotel-Tablet): Software-Telefon, auch mit Cloud ohne lokalen Server. SuitePad ist beste Lösung um zu digital first zu kommen. SuitePad ist auch Plattform zum Generieren von mehr Umsatz, z.B. durch Push-Angebote für Service aller Art im Hotel.

SmartHotel – Die Sicht der Betreiber
Vortrag von Frank Thiel;
Digital Coach des DEHOGA NRW thiel@dehoga-nrw.de; www.dehoga-nrw-digital-coach.de
DEHOGA-NRW Digital Coaches Themen: Technologie, Einkauf, Projektmanagement, Be-darfsanalysen, Wissenstransfer; Marktplatz für digitale Anwendungen und Dienste; Infos zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.
Spektrum Digitalisierung im Hotel: Management, Online-Marketing; Online-Vertrieb; operati-ves Geschäft; Verwaltung; Gebäudemanagement.
Herausforderungen: Klimawandel, Personalengpässe, Pandemie; Lieferengpässe bei Pro-dukten und Diensten; Inflation; Energienotstand; Digitalisierung und Automatisierung.

Digitalisierungsgrad: 2% hochgradig; 14% weit entwickelt digitalisiert; 38% fortgeschritten di-gitalisiert; 34% gering digitalisiert; 12% gar nicht digitalisiert.
Digitalisierungsbereiche: FrontOffice (CheckIn); Kommunikation/Schnittstellen; Digitale Gäs-temappe; digitale Schließanlagen; FIBU/Rechnungswesen; Kassensysteme; OTA/Channel-Management; Revenue Management; digitaler CheckIn-Kiosk ohne Mitarbeiter; Digitale Gäs-temappe; dig. Raumservice; Infos, Kommunikation, Unterhaltung, Zusatzverkäufe; Interne Kommunikation mit offenem Austausch, Feedback und ständigem Lernen auch für agiles Ar-beiten. Bezahlen per SmartPhone; Self-Ordering; digitale Küche; Steuerung Kochprozess,
Personalplanung. Erfassung von Mitarbeiterwünschen und -vorschlägen.
SmartBuilding oft noch in Planung.
Klimastrategie ohne Digitalisierung nicht möglich; 93% der Hotels finden Digitalisierung wich-tig und notwendig zur Zukunftssicherung.

Smart City Ahaus und SmartHotel
Konzept und Praxiserfahrungen Vortrag von Dieter van Acken, TOBIT Software; dieter.van-acken@tobit.com; https://tobit.soft-ware 
„SmartCity Ahaus“ ist ein sehr interessantes Pilotprojekt in der Alltagspraxis der Stadt Ahaus. Zu Beginn seines Vortrags gab Dieter van Acken einen Überblick über die große Vielfalt der in Ahaus in das Projekt integrierten Funktionen und Institutionen. Beispiele: Restaurants, Vereine, ÖPNV, Schulen, Seniorenheime, Hotels, Carsharing, Parkautomaten, Entsorger, Versorger, Bürgerbüros usw.. Er verdeutlichte die technischen IT-Ebenen als Basis: Datensi-cherheit, Geld, Wallet, Information und Kommunikation. Als besondere SmartCity-Herausfor-derungen sieht er die Innenstadtbelebung, die Mobilität, die Nahversorgung, die Gastrono-mie, Freizeitaktivitäten und die städtische Verwaltung. Es folgten Beispiele aus der Praxis wie QR-Code-gestütztes Einkaufen, dgl. bei Bestellung und Bezahlung in Restaurants inkl. digitaler Speise- und Getränkekarte. Auch erläuterte er das Konzept und die Praxiserfahrun-gen mit dem smarten Hotel „Smartel Ahaus“. Er sieht fünf wichtige Schritte zur SmartCity: zentrale ID etablieren, vertikales Denken, selber machen lassen, disruptiv transformieren, Ängste nehmen. Der IT-Kern ist das „ultimative Cloud-basierte Operating System „chayns“.

Digitales Podium:
Diskussionsrunde der Referent/en/in und Gastexpert/en/innen mit den Teilnehmer/n/innen In einer online-Runde mit den online-Teilnehmern wurden Vertiefungen wichtiger Punkte dis-kutiert, Missverständnisse und Unklarheiten ausgeräumt und noch nicht behandelte Aspekte eingebracht. Dabei kam auch immer wieder die in den Vorträgen wie geplant wenig behan-delte Problematik der Datensicherheit und des Datenschutzes zur Sprache. Erkenntnis: das smarte Hotel ist mit vielen Einzelaspekten und an vielen Standort auf dem Weg, hat aber noch viele Lücken und Verbesserungspotenziale. Die Notwendigkeit der Digitalisierung im Hotel- und Gastgewerbe wird aus einer Vielzahl von Gründen als hochpriorig angesehen.