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Rückblick: 29. Expertenrunde SmartHomeNRW

Mittwoch, 22. Juni 2022, 17:00 – 19:30 Uhr

FOKUSTHEMA

Wohnen mit mehr Energieeffizienz durch Digitalisierung und SmartHome !?

Ausgangslage, Lösungsoptionen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis

Diese aktuellen und hochinteressanten Themen behandelte die online-Expertenrunde am 22.6.2022. Das Teilnahmeinteresse war mit 41 Anmeldungen groß. Vorträge kompetenter und erfahrener Experten der Veranstaltungspartner Europäisches Bildungszentrum der Wohn- und Immobilienwirtschaft (EBZ), Borderstep-Institut und dem Hersteller GridX vermittelten einen vertieften Einblick in Forschung und Praxis. Anschließend diskutierten die Experten in einer online-Podiumsrunde mit den Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Bereichen Meinungen und Fragen. Die Expertenrunde startete mit einer Begrüßung durch Klaus Scherer für das Netzwerk West der SmartHome-Initiative Deutschland NRW inkl. einer Einführung in das Fokusthema.

Infos zu SmartHome-Deutschland inkl. NRW und Sicht von SmartHomeNRW auf das Fokusthema Klaus Scherer beschrieb die Aufgaben der SmartHome-Initiative Deutschland als SmartHome-Bundesverband zur Vernetzung der gesamten SmartHomeWertschöpfungskette inkl. einiger aktuellen Aktivitäten wie z.B. die „CO2-Bürgerinitiative“, die auf niederschwellige Energieeinsparungen im privaten Wohnbereich durch Nutzung von SmartHome-Möglichkeiten abzielt. Weitere Infos zu SmartHomeNRW inkl. Rückblicke auf die vergangenen Expertenrunden finden sich unter: SmartHome Netzwerk West – Smarthome Deutschland.

Zum Fokusthema gab Klaus Scherer einige Einstiegsinformationen zu den infrage kommenden smarten Komponenten für das Energiemanagement wie Fensterkontakte, Heizkörperthermostate oder Smart-Meter. Besonders hob er die in Zukunft immer wichtigere Rolle von integrativen Home Energy Management Systemen (HEMS) für das umfassende Energiemanagement von Solarzellen bis zu Ladestationen im Wohnbereich hervor. HINWEIS: für die zwei weiteren Expertenrunden in 2022 werden noch Vortragspartner und Fokusthemen gesucht. Interessenten melden sich bitte unter ksc@smarthome-deutschland.de 


Es folgten Vorträge der Experten zum Fokusthema

Energieeffizienz durch Digitalisierung: Wichtiger Baustein zur Dekarbonisierung des Wohngebäudebestands

Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus; TECHEM Stiftungsprofessur für Energiefragen der Immobilienwirtschaft an der EBZ Business School v.grinewitschus@ebz-bs.de, www.ebz-business-school.de 

Zum Beginn seines Beitrags gab Viktor Grinewitschus gleich die zentrale Einschätzung zuverlässiger Quellen: Heizkosten im Wohnbereich werden mittelfristig mindestens dreimal so hoch sein wie bisher und jeder zweite deutsche Haushalt versucht aktuell Energie zu sparen. Allerdings schätzt der Gesamtverband der Wohnungswirtschaft (GdW) die bisherige Klima- und Energiepolitik als teuer und ineffektiv ein. Als eine wichtige Verbesserungsstrategie schlug der Referent eine durchdachte Digitalisierungsstrategie im Gebäudebereich und dabei eine aktive Einbindung der Nutzer im Rahmen der Digitalisierung vor; zuerst durch eine gut präsentierte Transparenz der Energiedaten aller Art. Es folgte ein interessanter Bericht über Konzepte und Ergebnisse des Projekts „BaltBest“ in dem gefördert durch das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) in der Zeit von 12/2018 bis 11/2021 100 Gebäude von 6 Wohnungsunternehmen in 21 Städten beteiligt waren. Im Projekt wurden Heizungsanlagen modernisiert und die Energieeffizienzwirkungen der Maßnahmen detailliert vermessen. Wichtig waren auch viele Serviceeinsätze zur optimalen Einstellung der Technikausstattungen. Eine Erkenntnis: das Heizverhalten der Mieter hat eine große Streuung, die Verbräuche unterscheiden sich bis zum Faktor 4. Eine weitere Erkenntnis: die Raumtemperatur-Regelung ist heute auf Komfort getrimmt; sinkt die Raumtemperatur, dann wird mehr Heizleistung zur Verfügung gestellt. Der Grund der Raumtemperatursenkung, z.B. ein offenes Fenster, wird nicht beachtet. Noch eine Erkenntnis: wenn in 6 in einem Bereich liegenden Wohnungen smarte Raumtemperaturregelungen mit Zeitprofil 16-20 Grad Celsius nutzen, dann wurde eine Energieeinsparung von ca. 14 % gegenüber einer konstanten Raumtemperatur von 20 Grad Celsius gemessen. Und: die niedrigsten Verbräuche haben Nutzer, die ihre Heizkörperthermostate mehrmals täglich entsprechend ihrem Bedarf verstellen. Interessant war auch die Tatsache, dass Nachbarn von Vielverbrauchern nur ca. 70% des Durchschnittsverbrauchs haben, wobei in Wohnungen ohne Vielverbraucher als Nachbarn der Verbrauch bei ca. 80% des Durchschnittsverbrauchs liegt. Ein relativ neuer Ansatz ist die Einbeziehung des Verbrauchers durch Feedbacks über eine SmartPhone-App; im Projekt die App „Hoba“ („Gamification“).


Energieeinsparung und Flexibilität durch digitale Technologien in Stadtquartieren

Vortrag von Simon Hinterholzer, Borderstep Institute, Berlin; hinterholzer@borderstep.de; www.borderstep.de 

Simon Hinterholzer gab zu Beginn seines Vortrags einen Überblick über gebäuderelevante Energie- und CO2-Daten in Deutschland. Er ergänzte diese Daten durch Schlüsselaktivitäten in diesem Bereich, z.B. Verbrauchsreduktion, Elektrifizierung der Gebäudeenergiebedarfs, 3 Sektorenkopplung, Energiespeicherung, integrierte Quartiers-Energiekonzepte und die nutzerrelevanten Aktivitäten Steigerung von Transparenz, Partizipation und Akzeptanz. Es folgte eine Übersicht über bisherige und zukünftige Digitalisierungsaktivitäten im Wohnbereich. Hochinteressant waren die Eckdaten von Forschungs- und Pilotprojekten in der Praxis wie Quartier Ostseeplatz in Berlin und den Forschungsprojekten WindNODE und ProSHAPE sowie mehreren Auftragsprojekten. Er stellte dabei klar die positiven Effekte bzgl. Energieeinsparung und CO2-Minderung durch digitale Technologien wie SmartHome und SmartBuilding heraus, die damit zum Gelingen der Energiewende beitragen können und sollen.


XENON – IoT Plattform für Energiemanagement Aufgaben in Gebäuden und Haushalten von Heute und Morgen

Vortrag von Irina Milyukhina, gridX GmbH, München; i.milyukhina@gridx.de; www.gridx.ai

Irina Milyukhina von gridX aus München/Aachen griff in ihrem Vortrag mit dem Thema Home Energie Management Systems (HEMS) das zukunftsträchtige Thema sektorenübergreifendes Energiemanagement auf. Sie machte deutlich, dass diese durch ein integriertes Management verteilter Energieressourcen (DER`s) wie PV-Anlagen, Wallboxen, Wärmepumpen, Warmwasserspeicher und Stromspeicher in der Lage sind, z.B. die Selbstversorgung zu maximieren und die Kosten zu minimieren. Besonders interessant war der Hinweis auf das Geschäftsmodell „Energy as a Service“. Ein wichtiger neuer Mitspieler neben Netzbetreibern und Energieerzeugern sind dabei die Endkunden als Energiekonsumenten und -produzenten („Prosumer“). Irina Milyukhina zeigte dann ein konkretes HEMS-Praxisbeispiel unter Einsatz des gridXHEMS XENON in Kooperation mit dem Hersteller Viessmann. Ziel war der Aufbau und Einsatz eines umfassenden Energiedienstleistungsangebots mit umfassender datentechnischer Integration. Die größte Herausforderung war dabei die geforderte technische Interoperabilität über Grenzen der Energiesektoren inkl. SmartHome hinweg. Zentraler Bestandteil des Systems ist die gridX-Cloud mit den zentralen HEMS-Algorithmen und den APIs (Application Interfaces) und den Grid-Boxen für die Anbindung der div. Systemkomponenten und der Kommunikation mit dem Endanwender.


Digitales Podium:

Die Diskussionsrunde mit den/der Referent/innen/en, den Gästen Tobias Rehm, TH Köln und Markus Storm, storm.house und den Teilnehmern konzentrierte sich hauptsächlich auf die Klärung und Diskussion von Unklarheiten bzgl. der Vorträge und auf die Beantwortung von Fragen der Teilnehmer. Dabei ging es auch um die brennenden Probleme der Lieferfähigkeit der Technik und der Installierbarkeit bei Personalmangel z.B. in der Handwerkerschaft.

Die 30. SmartHomeNRW-Expertenrunde wird Ende September 2022 stattfinden, voraussichtlich mit dem Thema „SmartServices im und mit SmartHome“ Ankündigungen mit Datum und Programm erfolgen rechtzeitig auf der Website www.smarthome-deutschland.de und per Email an das NRW-Netzwerk.