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Rückblick: 25. Expertenrunde SmartHomeNRW

Donnerstag, 24. Juni 2021, 17 Uhr (online)

FOKUSTHEMA: Servicewohnen in Quartieren der Wohnungswirtschaft – mit SmartHome-Assistenz

Techniklösungen, Anwendungsnutzen und Geschäftsmodelle

Die 25. SmartHomeNRW-Expertenrunde wurde in Zusammenarbeit mit der GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH geplant und durchgeführt. Mit 45 Anmeldungen gab es wieder ein breites Interesse.

Zielsetzung der 25.SmartHomeNRW-Expertenrunde war, beispielhafte Informationen bzgl. smarter Produkte, Systemlösungen und Anwendungen für Mehrfamilienwohnhäuser und Wohnquartiere der Wohnungswirtschaft unter Einsatz von intelligenter Elektronik zu präsentieren und zu diskutieren. Darüber hinaus sollten aber auch Aspekte der Vermarktung und der Geschäftsmodelle angesprochen werden.

Informationen zu SmartHome-Initiative Deutschland e.V. und SmartHomeNRW

Klaus Scherer präsentierte nach der Begrüßung einige Informationen zur SmartHomeInitiative Deutschland und zur SmartHomeNRW (als Landesgruppe NRW). Z.B. das restliche Programm der SmartHomeNRW-Expertenrunden in 2021: Ende September zum Fokusthema „IoT und SmartHome“ und Ende November „Nutzer-Interaktion mit SmartHomeSystemen“. Genaue Termine und Einladungen folgen. Detailinformationen im Folienset. Für die Expertenrunden 2022 werden noch Gastgeber und Fokusthemen gesucht ! Vorschläge bitte jederzeit an ksc@smarthome-deutschland.de

Klaus Scherer gab zunächst eine Definition für ein smartes Wohnquartier als Vorschlag in die Runde und löste damit einige Diskussionen aus. Seine Definition (unter Verwendung div. Quellen): Ein Smartes Wohnquartier beschreibt ein räumlich zusammenhängendes Areal, in dem alle energetischen, informatorischen und sozialen Vorgänge gesamtheitlich betrachtet werden, sodass den Bewohnern Mehrwertdienstleistungen angeboten werden können. Dies umfasst Strom, Wärme, Mobilität, Sicherheit, Pflege und Betreuung, Kommunikation und Informationsdienste. Die explizite und intensive Integration (Informationen, Einflussnahme) der Bewohner ist ein Kernbestandteil – Daten werden importiert, integriert, gespeichert, 2 verarbeitet und wiederverwendet. Dabei sollen die Bedürfnisse sämtlicher Bewohnerinnen und Bewohner im Zentrum stehen, seien dies Senioren, Familien oder Alleinerziehende. Es folgte ein Untersuchungsergebnis der Fa. PYER (Tele Columbus AG) bzgl. der Bekanntheit und Nutzung von digitalen Anwendungen in der Wohnungswirtschaft. Die wichtigsten aktuellen Trends sind demnach digitale Wohnungsabnahmen und Smart Metering. SmartHome und Ambient Assisted Living sind an der Schwelle zum Trend. Zwei Überblicke über zwei Praxisprojekte im Bereich Smarter Quartiere schlossen sich an; FUTURE LIVING Berlin-Adlershof und SMART-CITY in Berlin-Mariendorf.


Vorträge der Expert/en/innen zum Fokusthema

Smartes Quartier der GEBAG in Duisburg

Vortrag Dennis Ifkovitz, Abteilungsleiter Quartiersmanagement, GEBAG und Herrn Prof. Dr. Arno Elmer, Geschäftsführer, Better@Home Service GmbH

Herr Ifkovitz stellte zunächst die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit einigen Eckpunkten und -daten vor. Die GEBAG hat ca. 12.500 Wohnungen und ca. 190 Mitarbeiter/innen. Die strategischen Themen sind Bestandsbewirtschaftung und die Flächenentwicklung. Die GEBAG ist Partner des Rahmenprojekts „Smart City Duisburg“. Das Wohnquartier „6-Seen-Wedau“ wird in diesem Rahmen zu einem smarten Quartier entwickelt. Teilprojekte darin z.B. e-Mobilität, intelligente Laternen, Ausbau 5G, wassersensible Stadt und Quartiers-App. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Bereich „Wohnen 60-plus“ mit dem Projekt „Sicher Wohnen in Duisburg“. Die Zielsetzung dabei ist, Senioren ein möglichst langes und sicheres in der eigenen Wohnung zu ermöglichen, auch und zentral durch den Einsatz smarter Technik. Partner im Projekt sind BeHome für die smarte Technikausstattung, die GEBAG für die Wohngebäude und -einheiten, das Evangelische Christopheruswerk für den Pflegeservice und die Sparkasse Duisburg für die Finanzierung. Z.Z. läuft die im Anfang 2021 gestartete Test- und Entwicklungsphase, die im März 2022 mit dem Start des Rollout beendet sein wird. Prof. Arno Elmer von BeHome erläuterte dann einige Details zum Projekt „Sicher wohnen in Duisburg“. Das BeHome-Assistenzsystem für das Wohnen im Alter kombiniert ein regionales Ökosystem aus Partnern mit einer digitalen Plattform. Die Funktions- und Nutzenschwerpunkte: Komfort, Sicherheit, Gesundheit und Kommunikation. Hybride Finanzierungsmodelle mit regionalen Partnern und Kofinanzierern bilden den Kern des Geschäftsmodells. Das Spektrum der technischen Ausstattung mit Schwerpunkt Wohnung ist vielfältig und reicht von Türkontakten, Bewegungssensoren, Brandmeldern bis zum integrierten Hausnotruf und der Bedienoberfläche für die Anwender auf einem Tablet-PC. Neben den lokalen Funktionen ist darüber auch das Kommunikationsportal für die externen Services wie Kommunikation, Einkaufen, Gesundheit und regionale Meldungen erreichbar. Insgesamt werden zunächst 75 Wohneinheiten entsprechend einer Bedarfsanalyse mit den Bewohnern ausgestattet. Im Projektverlauf sollen weitere Kooperationspartner wie die Stadt Duisburg, die Stadtwerke und andere passende und schon aktive Netzwerke mit gleichem Bezug gefunden und integriert werden.


Wie geht Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft heute?

Vortrag Ina Fischbach, Key Account Managerin Digitalisierung Wohnungswirtschaft, OPUS / JÄGER DIREKT

Ina Fischbach beschäftigte sich zunächst mit den aktuellen Forderungen und Herausforderungen für die Immobilienbranche. Gesamtgesellschaftlich und politisch sind dies die Nachhaltigkeit im kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes (Klimawandel !) und der demographische Wandel. Bzgl. der Technik sieht sie, dass die Ausstattung immer komplexer zu beherrschen ist und es zwar zahlreiche gute Insellösungen gibt, aber funktionierende Schnittstellen eine Herausforderung darstellen. Das bedeutet, dass innovative oder intelligente Gebäude neue Herangehensweisen in den Bereichen Planung, Realisierung und Betrieb erfordern. Die Digitalisierung soll von der kleinsten Einheit eines Quartiers, der Wohnung ausgehen, wobei zunächst die notwendigen Funktionen der Use Cases (Anwendungsfälle) erfasst werden sollten. Beispiele: Überblick Energieverbrauch, Kommunikation mit dem Vermieter, Bedienung Wärme, Verschattung, Licht und eben auch technische Assistenzfunktionen für das sichere und komfortable Wohnen im Alter (AAL = Ambient Assisted Living). Als Basiseigenschaften des OPUS-greenNet-Systems nannte sie: hybrides Infrastrukturkonzept aus Funk (EnOcean) und 230-V-Stromverkabelung, renovierungsfreie Nachrüstung, keine sigifikanten Mehrkosten, softwarefreie Grundfunktionen (auch bei Ausfall der Elektronik), intuitive Bedienbarkeit und Nachhaltigkeit. Das AAL-Segment wird durch das Partnersystem „meinPAUL“ der Firma CIBEK abgedeckt, das gewisse Ähnlichkeiten mit dem beHome-System hat. Für den Bereich der Gebäude sieht sie folgende sinnvolle smarte Funktionen: Verbrauchserfassung nach EED, digitale Klingelschilder, digitaler Zutritt, Verwalterportale, Mieterstrom, Ankündigungen für die Mieter, Rauchwarnmelder zur Fernauswertung, optional Aufschalten von Alarmkontakten. Bei den quartiersweiten Funktionen sieht sie eine individualisierte Quartiers-App, die Integration von Nachunternehmern und Dienstleistern, Paketboxen und Hausmeister- und Handwerker-Services. Für die Wohnungswirtschaft sieht sie Zusatznutzen, neue Geschäftsmodelle und Zusatzerträge abseits der normalen Miete. Als Projektbeispiel informierte sie über das smarte Quartier Heidestraße in Berlin für das Jäger-direkt eine umfassende Lösung auf Basis von myOPUS geliefert hat.


Dekarbonisierung des Gebäudebetriebs als Treiber der Digitalisierung in Mehrfamilienhäusern der Wohnungswirtschaft

Vortrag Prof. Dr. Viktor Grinewitschus, EBZ Europäisches Bildungszentrum der Wohn- und Immobilienwirtschaft, Bochum

Viktor Grinewitschus sieht für die Reduzierung der CO2-Emissionen in Quartieren der Wohnungswirtschaft folgende Ansatzpunkte: Dimensionierung der technischen Gebäudeausstattung, die Betriebsführung, die Wärmeerzeugung, das Nutzerverhalten und die SmartHome-Assistenz. Die vorgestellten Statistiken zeigen, dass der Gebäudesektor in 2020 sein sektorales Klimaschutzziel knapp verfehlt hat (Schätzung Umweltbundesamt). Beachtenswert ist auch seine Aussage, dass der CO2-Preis in den kommenden Jahren die Heizkosten signifikant 4 nach oben treiben wird. Das CO2-Bilanzierungstool der Initiative „Wohnen 2050“ mit 85 Wohnungsunternehmen und 10 institutionellen Partnern, darunter EBZ („die ImmobilienHochschule“) bietet eine schnelle Übersicht über den Stand der Energieverbräuche im Wohnbereich, hat aber das Problem, dass Handlungsempfehlungen nur schwer ableitbar sind. Um aus den enormen Mengen von täglich anfallenden Daten Wissen zu machen, sind Intelligente Auswerteverfahren einzusetzen (KI, Machine Learning, Regressionsanalyse, Mustererkennung). Folgende Verfahren sieht Prof. Grinewitschus vorrangig zur Reduzierung der CO2- Emissionen im Wohnimmobilienbereich: Systemanalyse mit Bewertung der energetischen Substanz, der Energieeffizienz im Betrieb, dem rechtzeitigen Erkennen von Abweichungen und Fehlern, dem Verstehen des Nutzerverhaltens, der Begleitung von Gebäudesanierungsmaßnahmen und der Bewertung des Einsatzes von PV und Wärmepumpen. Interessant auch das vorgestellte Forschungsprojekt „BaltBest“ (Einfluss der Betriebsführung auf die Effizienz vo Heizungsaltanlagen im Bestand) mit 14 Projektpartnern, 100 Gebäuden von 6 Wohnungsunternehmen in 21 Städten, Laufzeit 12/2018 bis 11/2021). Untersucht werden die Optimierung der Betriebsführung, der Austausch der Kessel, smarte Themostate (teilweise und volle Ausstattung). Täglich fallen im Projekt über 4 Mio. Datentelegramme an die zu verarbeiten sind. Erste Erkenntnisse: viele Wärmeerzeugen sind überdimensioniert um effizient zu sein, modulierende Brenner können bei Bedarf ihre Leistung nicht ausreichend absenken. Auch bei Kesselsanierungen ist die optimale Betriebsführung maßgebend für die erzielten Einsparungen. Besonders muss die Anlage kontinuierlich überwacht werden. Zentral ist die richtige Einstellung der Heizkennlinien. Die meisten Anlagen haben eine schlechte Witterungsführung. Einen wesentlichen Einfluss auf die Energieeffizienz hat das Nutzerverhalten (Temperatureinstellungen, Lüftungsverhalten). Die Installation von ECO2-Raumthermostaten brachte eine Senkung des Heizenergieverbrauchs um ca. 5%. Bemerkenswert ist die Anwendung der „HoBa-App“ zur Visualisierung der Heizungsdaten und zur Optimierungs-Assistenz der Nutzer. Die App erfasst hierzu Daten aus der Wohnung, aus dem Heizungskeller und dazu die Wetterdaten. Von 43 befragten Nutzern waren aber nur 26% an Informationen zum energieeffizienten Heizen interessiert. Die interessierten Nutzer hatten einen deutlich geringeren Heizenergieverbrauch gegenüber den Uninteressierten. (0,71/1,04).

Abschließende Diskussionsrunde

In der Diskussionsrunde wurden einige Verständnisfragen aus dem Teilnehmerkreis durch die Referenten beantwortet.