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Rückblick: 22. Expertenrunde SmartHomeNRW

Donnerstag, 24. September 2020, 17 Uhr (online) Webinar-Plattform der TU Dortmund

FOKUSTHEMA:

Smart Home für die Rehatechnik – Techniklösungen und Nutzenpotenziale

Die 22. SmartHomeNRW-Expertenrunde hatte zum Ziel, den Teilnehmern fundierte und aktuelle Informationen zum Thema SmartHome für die Rehabilitationstechnik von erfahrenen Experten zu geben und dabei besonders die Nutzungspotenziale für Menschen mit Behinderungen darzustellen. Wichtig war auch, Chancen und Risiken von entsprechenden SmartHome Lösungen zu analysieren und zu zeigen, wie Menschen mit Behinderungen einen erleichterten Zugang zu dieser „neuen Welt“ bekommen können. Aber auch Fragen des Marktes und der notwendigen Geschäftsmodelle für die Produkt- und Serviceanbieter wurden thematisiert.  In der abschließenden Podiumsrunde diskutierten die Referenten und die Teilnehmer offen gebliebene Punkte und tauschten Meinungen und Kontakte aus.

Auch diese SmartHomeNRW-Expertenrunde konnte wegen der Coronakrise nur online stattfinden. Mit 33 angemeldeten und meist 36 tatsächlichen online-Teilnehmern war der Zuspruch trotzdem enorm. Alle Teilnehmer erhielten nach der Veranstaltung einen Link zum Kurzprotokoll, zu den Vortragsdokumenten und zu Videos der TU Dortmund.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Gastgeber Prof. Dr. Christian Bühler (Lehrstuhl Rehabilitationstechnik der TU Dortmund) und Klaus Scherer von der SmartHome-Initiative Deutschland (Landesgruppe NRW) informierte Klaus Scherer über aktuelle Aktivitäten und Planungen der SmartHome-Initiative Deutschland, und der Landesgruppe NRW (SmartHomeNRW). Als Vorbereitung zu den Vorträgen führte er kurz in das Fokusthema aus Sicht von SmartHomeNRW ein.

Professor Christian Bühler, Susanne Dirks und Vanessa Heitplatz gaben ihrem gemeinsamen Beitrag den Titel „SmartHome für Menschen mit Behinderungen? Chancen, Herausforderungen und aktuelle Stolpersteine“. Der einführende Teil behandelte eine Anzahl von grundlegenden Fakten und Fragestellungen und präsentierte auch einige interessante Zahlen. So ist es sicher nicht allgemein bekannt, dass es Ende 2019 in Deutschland fast 8 Mio. Schwerbehinderte mit einem Bevölkerungsanteil von 9,5% gab. Die Technik-Konzepte und -Lösungen als Hilfe für Menschen mit Behinderungen sollen sich unter Berücksichtigung der Randbedingungen Zugänglichkeit, Nutzbarkeit und Wahrnehmbarkeit auf die Unterstützung der Aktivitäten „bewegen, hören, sehen und verstehen“ fokussieren.

Als ein Hauptkriterium für die Akzeptanz und Nützlichkeit von technischer Assistenz für Menschen mit Behinderungen wurden die Schwierigkeiten bei der Bedienung von den Referenten hervorgehoben. Als ein Lösungsansatz analysierten die Referenten die Möglichkeiten der Sprachsteuerung. Obwohl die Sprachsteuerung in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, bleiben bei Senioren und bei Menschen mit Beeinträchtigungen Probleme wie undeutliches Sprechen, längere Sprechpausen und schlechtes Verstehen der Antworten der elektronischen Sprachsteuerung. Hier ist noch ein großes Aufgabenfeld für die Forschung und für neue Produkte zu erkennen.

Bzgl. weiterer Probleme wiesen die Referenten auf die oft fehlende Unterstützung des sozialen Umfelds (z.B. Familie, Freunde, Betreuungskräfte) hin.

Es folgte dann eine Anzahl von Beispielen (z.T. mit Videos) von im Praxiseinsatz als nützlich getesteten SmartHome-Lösungen für Menschen mit Behinderungen. Hier einige dieser Beispiele: Fernsteuerung von Tür- und Fensteröffnern, Szenarienschaltungen wie z.B, „Aufwachen“ oder „Schlafen“, Blitzlichtsignalisierung bei Klingeln an Tür oder Telefon, Text-to-Speech am PC, positive psychische Wirkung farbiger LED-Beleuchtungen oder ein IT-basiertes Trainings- und Arbeits-Assistenz-System.

Herr Enrico Löhrke, Geschäftsführer der inHaus-GmbH in Duisburg, titelte seinen Beitrag „Technische Assistenzsysteme für Wohn- und Pflegeimmobilien“ mit den Aspekten aktueller Status, Chancen und Hemmnisse, aktuelle Veränderungen aus der Perspektive der Praxis.

Am Anfang seines Vortrags präsentierte er einige interessante Zahlen: Deutschland steht an 16. Stelle des „Digital-Health-Index“ also des Digitalisierungsstatus im Gesundheitsbereich.
In der ambulanten Pflege ist der Einsatz von Navigationssystemen im Service-PKW zwar mit 55% relativ hoch, elektronische Schließsysteme (15%) und Telecare (3%) sind dagegen nur sehr wenig im Einsatz. Im Bereich der teilstationären und stationären Pflege dominieren die klassischen technischen Hilfen wie motorische Betten, e-Rollstühle und Personenlifter. Intelligente Sensorsysteme, Ortungssysteme und elektronische Unterhaltungssysteme haben aber mittlerweile besonders im stationären Bereich Anteile zwischen 20 und 40%.

Noch schwächer sieht es im Bereich der Wohnungswirtschaft aus, selbst in der generell wachsenden Anteilen kalkulierenden Prognose für Smart Homes in Deutschland in den Jahren 2017 bis 2025, beträgt der Anteil von SmartHome-Systemen im Wohnungsbestand der professionellen Wohnungswirtschaft im Gesamtverhältnis nur 0,125%.
Enrico Löhrke fokussierte sich dann auf Unterstützungsbedarfe für das sogenannte „Servicewohnen“, was unterstützende Services auch in Kombination mit technischer Assistenz bei leichten bis mittleren Einschränkungen der Bewohner bei Krankheit oder Alter meint. Er präsentierte auch von der inHaus-GmbH realisierte Praxislösungen, z.B. Demenzwohngemeinschaften. Dabei geht es nicht nur um die Unterstützung der Bewohner, sondern auch der Pflegekräfte. Als aktuelle Hemmnisse nannte er die oft nicht ausreichende Systemintegration der technischen Lösungen in bestehende bereits genutzte (Software)-Anwendungen, die oft unpassende und zu geringe Einbindung in die Geschäftsprozesse und die mit Ausnahme Hausnotruf nicht geklärte Regelfinanzierung z.B. durch die Pflegeversicherung.
Abschließend wies Enrico Löhrke darauf hin, dass sich aktuell, auch angetrieben durch die Coronakrise, die Haltung der Leistungsanbieter gegenüber technischen Assistenzlösungen in Richtung größerer Aufgeschlossenheit ändert. Ein Beispiel ist die automatisierte Lüftung und Aerosolüberwachung in Räumen und Gebäuden der Sozial- und Pflegewirtschaft, aber auch die leichte digitale Kommunikation der evtl. isolierten Bewohner mit ihren Angehörigen und Freunden.

Die 23. SmartHomeNRW-Expertenrunde findet am 10. Dezember 2020 mit dem Fokusthema „Funkvernetzung für den SmartHome- Nachrüst und -Massenmarkt“ in Kooperation mit der Deutsch-Niederländischen Handelskammer im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg statt. Wahrscheinlich wird es ein hybrides Format sein, d.h. eine beschränkte Zahl von Teilnehmern wird vor Ort sein und die anderen Teilnehmer können sich online dazuschalten.